Konkrete Prompt-Vorlagen für effizientere juristische Arbeit mit KI
Zusammenfassung & Einführung
Generative KI kann juristische Arbeit erheblich beschleunigen – vorausgesetzt, sie wird richtig eingesetzt. Der entscheidende Hebel ist dabei nicht das Tool selbst, sondern der Prompt.
Viele Anwältinnen und Anwälte testen KI zunächst mit einfachen Eingaben wie „Fasse das zusammen“ oder „Prüfe das“. Die Ergebnisse bleiben dann oft oberflächlich oder schwer verwertbar.
Die Lösung: strukturierte, kontextreiche Prompts, die der KI einen klaren Arbeitsauftrag geben.
In diesem Artikel finden Sie 20 sofort nutzbare ChatGPT-Prompts für typische Kanzleiaufgaben – jeweils ergänzt um eine kurze Erklärung, warum sie funktionieren und wie Sie sie anpassen können.
20 praxiserprobte ChatGPT Prompts für Kanzleien
1. Juristische Kurzrecherche
Prompt:
„Du bist Anwalt für deutsches Recht. Gib mir einen kurzen Überblick zur Rechtslage zu [Thema]. Nenne die wichtigsten Normen und typische Streitfragen. Ergebnis in 5 Bulletpoints.“
Warum das funktioniert:
Die Rolle + klare Struktur sorgen für prägnante, verwertbare Ergebnisse statt langer Abhandlungen.
2. Rechtsprechung & Literatur (mit Vorsicht)
Prompt:
„Recherchiere zu [Thema] relevante Rechtsprechung und Literatur. Nenne Fundstellen nur, wenn du dir sicher bist, sonst formuliere geeignete Suchbegriffe.“
Warum das wichtig ist:
Reduziert Halluzinationen und macht Unsicherheiten transparent.
Tipp:
Juristische KI-Assistenten wie zum Beispiel BEAMON AI enhalten bereits Quellen und Zugriff auf Recherchedatenbanken (zum Beispiel von Otto Schmidt). Diese aktuellen Sekundärquellen sind in ChatGPT und allgeneinen Tools nicht enthalten. Dadurch werden Halluzinationen weiter verringert.
3. Mandantenverständliche Erklärung
Prompt:
„Erkläre [Rechtsproblem] so, dass ein Mandant ohne juristische Vorkenntnisse es versteht. Maximal 150 Wörter, klar und ohne Fachjargon.“
Nutzen:
Perfekt für schnelle E-Mails oder Gesprächsvorbereitung.
Tipp:
Speziell juristische KI-Assistenten enthalten bereits Prompt-Vorlagen und ermöglichen Nutzern, sich Prompting-Vorlagen zu erstellen. So kann man längere Prompts schreiben und jederzeit darauf zugreifen.
4. Internes Memo strukturieren
Prompt:
„Erstelle ein internes Memo zu [Sachverhalt] mit folgender Struktur: 1. Ausgangslage, 2. Rechtsfragen, 3. Risiken, 4. Empfehlung. Ton sachlich.“
Warum stark:
Die Struktur zwingt die KI zu juristisch sauberem Denken.
5. Klauselprüfung (Risikoanalyse)
Prompt:
„Prüfe die folgende Klausel aus Sicht von [Partei] auf rechtliche Risiken. Ergebnis als Tabelle: Problem – Risiko – Vorschlag.“
Nutzen:
Direkt mandatsfähig und weiterverwendbar.
Tipp:
Playbooks verbessern die Prüfung erheblich. Juristische KI-Assistenten wie zum Beispiel BEAMON AI ermöglichen, bei der Prüfung juristische Playbooks zu hinterlegen. Das erhöht die Genauigkeit, verhindert Halluzinationen und fügt praxisrelevantes Hintergrundwissen dazu.
6. Alternative Vertragsklausel
Prompt:
„Formuliere eine alternative Klausel, die für [Partei] günstiger ist, aber marktüblich bleibt. Begründe kurz.“
Warum hilfreich:
Kombiniert Kreativität mit juristischem Rahmen.
7. Dokument zusammenfassen
Prompt:
„Fasse das folgende Dokument in maximal 8 Sätzen zusammen. Fokus auf rechtliche Kernaussagen und Pflichten.“
Tipp:
Immer Fokus definieren – sonst wird es zu allgemein.
8. Issues List erstellen
Prompt:
„Extrahiere aus dem Sachverhalt die zentralen rechtlichen Streitfragen. Ausgabe als priorisierte Liste (hoch/mittel/niedrig).“
Mehrwert:
Ideal für schnelle Fallstrukturierung.
9. Pro- und Contra-Argumente
Prompt:
„Formuliere die stärksten Argumente für Kläger und Beklagten zu [Streitfrage]. Ausgabe getrennt.“
Warum wichtig:
Ermöglicht Perspektivwechsel und bessere Strategie.
10. Richterperspektive
Prompt:
„Du bist Richter. Prüfe den Vortrag auf Schlüssigkeit, Struktur und Schwächen. Gib konkrete Verbesserungsvorschläge.“
Nutzen:
Simuliert kritische Prüfung von außen.
Tipp:
ChatGPT ist generell sehr wohlwollend. Das Tool „will gefallen“, weshalb es manchmal auch unsinnigen oder ungenauen Input von Nutzern durchgehen lässt. Das kann man verhindern, in dem man ChatGPT mitteilt, skeptisch oder präzise zu sein. Speziell juristische KI-Assistenten wie zum Beispiel BEAMON AI sind bereits so eingestellt, kritisch zu prüfen und zu hinterfragen.
11. Dokumente vergleichen
Prompt:
„Vergleiche Dokument A und B. Liste Unterschiede in einer Tabelle: Abschnitt – Unterschied – Bedeutung.“
Ergebnis:
Schnell erfassbare Abweichungen ohne manuelle Arbeit.
12. Benchmark gegen Marktstandard
Prompt:
„Vergleiche diese Klausel mit marktüblichen Standards. Welche Punkte sind ungewöhnlich oder riskant?“
Warum sinnvoll:
Hilft bei Verhandlungen und Qualitätssicherung.
13. Mandanten-E-Mail formulieren
Prompt:
„Formuliere eine kurze E-Mail an den Mandanten mit den wichtigsten Ergebnissen aus [Thema]. Max. 10 Zeilen, professionell.“
Effekt:
Spart massiv Zeit im Alltag.
14. Qualitätskontrolle (Halluzinations-Check)
Prompt:
„Überprüfe die obige Antwort auf Unsicherheiten, fehlende Quellen oder logische Lücken. Liste offene Punkte.“
Best Practice:
Immer eine zweite KI-Runde zur Kontrolle nutzen.
15. Prompt verbessern (Meta-Prompt)
Prompt:
„Hier ist mein Arbeitsauftrag: [Text]. Formuliere daraus einen professionellen Prompt mit Rolle, Kontext, Aufgabe und Output.“
Gamechanger:
Die KI hilft beim Prompting selbst.
16. Vertragsentwurf erstellen
Prompt:
„Erstelle einen einfachen Dienstleistungsvertrag nach deutschem Recht mit folgenden Parametern: [Details]. Klar, verständlich, ohne unnötige Klauseln.“
Warum wichtig:
Struktur + Rahmenbedingungen verhindern generische Ergebnisse.
17. Schriftsatz-Outline erstellen als erster Schritt
Prompt:
„Ich will einen Schriftsatz erstellen. Aber das Thema ist complex. Erstelle eine Gliederung für einen Schriftsatz zu [Thema] mit logischer Argumentationsstruktur, den ich später weiter ausarbeiten kann.”
Nutzen:
Ideal als Ausgangspunkt für komplexe Fälle.Verhindert “Angst vor dem weißen Blatt”.
18. Lange Akten zusammenführen
Prompt:
„Fasse die wichtigsten Punkte aus Sicht [Mandant/Partei A/Unternehmen x/Anwalt] aus den folgenden Abschnitten zusammen und erstelle eine Gesamtsynthese.“
Praxis:
Perfekt bei umfangreichen Dokumenten.
Tipp:
Je genauer die Beschreibung des Einsatzbereiches umso genauer die Ergebnisse.
19. Risiko-Fokus schärfen
Prompt:
„Identifiziere ausschließlich die größten rechtlichen Risiken im folgenden Text. Keine Zusammenfassung, nur Risiken.“
Warum gut:
Begrenzt die Antwort bewusst und erhöht Relevanz.
Tipp:
Lässt sich gut mit anderen Prompts kombinieren und stellt sicher, dass Ergebnisse auch gut und präzise sind. Verhindert Halluzinationen und unsaubere ergebnisse.
20. Strategie-Optionen entwickeln
Prompt:
„Skizziere mögliche strategische Optionen für [Situation] aus Sicht von [Partei]. Bewerte kurz Chancen und Risiken.“
Mehrwert:
Unterstützt bei taktischen Überlegungen.
Fazit: Gute Prompts sind konkrete Arbeitsanweisungen
Die Beispiele zeigen ein klares Muster:
👉 Gute Prompts sind nicht länger – sondern klarer, strukturierter und kontextreicher
Wenn Sie sich merken wollen, was wirklich zählt:
- Rolle definieren
- Kontext mitgeben
- Aufgabe präzisieren
- Output festlegen
Dann wird aus einem einfachen KI-Tool ein echtes juristisches Arbeitsinstrument.
Ausblick
Im nächsten Artikel zeigen wir:
👉 Die häufigsten Prompting-Fehler – und wie Sie diese vermeiden
Oder wir gehen tiefer rein mit:
👉 „Prompting für Vertragsprüfung Schritt für Schritt
